Metal Yoga goes Münchenstein

Wie alles begann

Mit knapp zwölf Jahren entdeckte ich via Bravo und einem Klassenkameraden die Welt des Metal – und bin geblieben. Schon damals war Musik ein ganz wichtiges Thema. Mein Taschengeld teilte sich in zwei Ausgabenbereiche: jeweils donnerstags kaufte ich mir am Kiosk die Bravo und alle zehn Wochen reichte es für eine neue CD.

Dazwischen gab es unzählige Trips zum CD-Laden, wo ich die unterschiedlichsten Alben und Releases probegehört habe. Inspiration dazu holte ich mir in der Bravo oder bei MTV, als das M wirklich noch für Musik stand. Das Aussuchen einer neuen CD grenzte fast schon an ein Ritual, da es ein ganz besonderer Akt war, damit an die Kasse zu gehen und sie dann wirklich und in echt zu besitzen.

Eine weitere Möglichkeit damals an neue Musik zu kommen, war das Tauschen von Kassetten, was leider nur selten zur Anwendung kam. Grund dafür war, dass die wenigsten meiner (Schul-)Freunde Metal hörten und wir somit musikalisch nicht kompatibel waren.

Ein knappes Vierteljahrhundert nach der Musik trat 2016 Yoga definitiv in mein Leben. Es poppte davor immer wieder auf und verschwand genauso schnell wieder. Dies sollte sich ändern, als ich 2015 einen Blogbeitrag bei Wuscheline über ihren liebsten Yogalehrer gelesen habe. Ich kehrte immer wieder zu diesem Beitrag zurück, guckte mir die DVDs bei Amazon* an und fand im Jahr darauf endgültig den Weg auf die Yogamatte und zu einer regelmässigen Asana-Praxis.

Ein paar Jahre später kam der Wunsch auf, mich intensiver mit Yoga und der Philosophie dahinter zu beschäftigen und ich entschied mich eine Yogalehrer Ausbildung zu machen. Im Rahmen dieser Ausbildung beschäftigte ich mich auch intensiv mit mir selber und es wurde mir ein Bedürfnis Dinge, die mir wichtig sind, zu verbinden.

Warum also nicht Metal und Yoga verbinden?

Neu ist die Idee nicht, durfte ich doch 2017 und 2019 am Midgardsblot Festival in Norwegen Saskia Thode in Aktion erleben. Doch für Metal Yoga braucht man nicht ins Ausland zu fahren, Zürich Oerlikon reicht völlig aus. Dort unterrichtet nämlich Suzy VaniDevi Krauer ihr Headbangers Yoga.

Hier bei uns im Raum Basel fehlt ein solches Angebot, daher entschloss ich mich, es selbst ins Leben zu rufen. Am 29. November werde ich in Münchenstein die erste Metal Yoga Klasse unterrichten. Ich plane, sie einmal im Monat anzubieten und freue mich darauf, die Metalheads aus der Region Basel auf der Matte zu begrüssen.

Ob beweglich oder nicht, ob mit oder ohne Leggings, ob yogaerfahren oder die absoluten Anfänger – Yoga ist für alle da!

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„Das Institut“ von Stephen King

Photocredits: Steffi

Was hat Stephen King mit Yoga zu tun? Ob der Meister des Horror selber Yoga praktiziert, weiss ich nicht. Was ich hingegen weiss: sein neustes Werk ist schlichtweg genial*. Und ich habe in – oder vielleicht eher zwischen – seinen Zeilen sehr viel yogisches entdeckt.

Ein Zitat aus diesem Buch hat es sogar in meine Zitatesammlung geschafft – als erstes aus diesem Genre:

„Es war so einfach und doch eine Offenbarung: Was man für sich selbst tat, verlieh einem Kraft.“

Es geht also darum, einen Fokus zu setzen und sich bewusst zu werden, wohin denn die Energie fliesst. Auf Englisch klingts schöner: „Energy flows, where the attention goes.“ Bewusstwerdung hilft – und wie sie den Kindern im Institut half! Doch das müsst ihr selber lesen.*

Von Innen heraus etwas tun, den eigenen Antrieb finden – diese Erkenntnis war nicht nur für die Kinder im Institut eine Kernerfahrung, sondern auch für mich selbst auf meinem Yogaweg. Seit dem 21. August 2018 schreibe ich nach dem Aufstehen meine Morgenseiten und habe mir dadurch eine tägliche Svadhyaya Praxis erarbeitet. Svadhyaya bedeutet unter anderem Selbsterforschung und ist eines der fünf Niyamas. Durch diese tägliche Praxis bin ich in immer tiefere Schichten vorgestossen und habe eine Instanz entdeckt, die es mir erlaubt Routinen, Anleitungen, Empfehlungen zu betrachten und dann einen Schritt zurückzutreten und mich zu fragen: Was kann ich davon gebrauchen? Was tut mir gut? Wie kann ich das vorhandene gegebenenfalls anpassen, so dass es für mich auch förderlich ist?

Das klingt jetzt sehr theoretisch, was meine ich damit? Oftmals sehen wir bei anderen ausgeklügelte Routinen oder wir lesen darüber, was wir alles machen könnten und was diese Routinen anderen gebracht haben. Genau das habe ich im vorherigen Abschnitt selber ja auch gemacht.
Oftmals beeindrucken uns diese Routinen, wir wollen auch so tolle Resultate erreichen oder spüren, dass es uns gut täte Routinen zu haben. Also versuchen wir es, sind anfänglich auch topmotiviert bis es dann wieder nachlässt und wir die Routinen nicht weiter praktizieren. Es ist gut, Routinen auszuprobieren, keine Frage. Es ist jedoch auch genauso wichtig zu erforschen – und da wären wir wieder bei Svadhyaya – was uns davon gut tut, was uns mehr stresst, denn nützlich ist und daraus abzuleiten, was wir vielleicht anpassen könnten. Denn nur, wenn wir eine Routine ausschliesslich für uns selbst praktizieren, kann sie uns Kraft verleihen, die den Aufwand einer regelmässigen Praxis deutlich übersteigt und uns so auch die nötige Motivation gibt.

Oftmals sehe ich jedoch eine ausgeprägte „Autoritätsgläubigkeit“, die verhindert, dass wir diesen einen Schritt zurück in die Betrachtung machen, dass wir Distanz schaffen und dann durchaus kritisch überprüfen, was denn nun zu uns passt und was nicht. Wir scheinen zu glauben, dass wir Routinen nicht anpassen dürfen, dass sie nur dann funktionieren und zu genauso tollen Ergbnissen führen, wenn wir sie 1:1 übernehmen. Ob das nun bewusst oder unbewusst geschieht, das kann man wohl nicht allgemeingültig sagen. Doch dass es geschieht, ist für mich offensichtlich. Das fängt bei so kleinen Dingen wie YouTube Videos an, wo es Menschen gibt, die keine langen Videos schauen, weil sie nicht mehr als zehn bis fünfzehn Minuten am Stück schauen möchten. Dass man ein langes Video jederzeit pausieren und einfach später weiterschauen kann, das scheint aus mir unerfindlichen Gründen nicht zur Diskussion zu stehen. Weshalb eigentlich?

Kleine Entscheidungen können grosse Auswirkungen haben. Das wird uns im Buch mehrfach deutlich vor Augen geführt, doch auch im Real Life kann man das durchaus beobachten. Wir verfügen demnach auch über grosse Macht – nutzen wir sie im täglichen Leben!

Was Stephen King wie kein zweiter beherrscht, ist das Beobachten von Menschen und deren Verhalten. Im Verlaufe des Buches kommt die Geschichte an einen Punkt, an dem viele Charaktere beginnen aus Angst zu handeln, ja sich komplett von der Angst leiten zu lassen. Dabei ist Angst der schlechteste aller Ratgeber und beraubt uns unserer inneren Weisheit oder auch inneren Instanz, welche bisweilen auch als innerer Guru bezeichnet wird. Wikipedia definiert Angst als ein „Grundgefühl, das sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert“. Darauf reagiert der Mensch, indem er versucht diesen unangenehmen Gefühlen zu entkommen, anstatt einen Schritt zurückzutreten und die Situation nochmals aus der Distanz zu betrachten und erst zu verstehen, was denn genau geschieht, bevor er handelt. In der Yoga Philosophie gehört Dvesha – Ablehnung oder vor etwas davonlaufen – zu den fünf Kleshas. Kleshas sind Strukturen oder Muster in unserem Geist, welche Auswirkungen auf unser Verhalten haben und als Wurzeln all unseres Leidens gesehen werden.

Diese impulshafte Handlung sich möglichst sofort von Unangenehmem zu entfernen, verengt den Fokus und führt dazu, dass wir schlechte Entscheidungen treffen. Ziel wäre es also, dieses wie auch die anderen Kleshas zu überwinden, was zugegebenermassen nicht immer einfach ist. Sri Patanjali zeigt uns dazu in seinen Yoga Sutras verschiedene Wege auf.*

Als letzten Punkt möchte ich noch auf etwas eingehen, das ich nicht einer bestimmten Passage des Buches zuordnen kann. Es handelt sich mehr um ein unterschwelliges Gefühl, das mich vor allem gegen Ende des Romans beschlich:

Könnte sich die Geschichte nicht auch komplett im Innern eines Menschen abspielen?

Die Kinder im Institut stünden dann für die abgespaltenen Aspekte unseres Selbst, welche wir ganz tief unten „verstauen“. Als Yogini rate ich dringend, die nicht immer einfache Schattenarbeit in Angriff zu nehmen, um diese Anteile wieder zu integrieren. Wenn uns dies gelingt, wird plötzlich sehr viel Energie frei. Energie, die vorher darauf verwendet werden musste, diese abgespaltenen Aspekte von uns fern zu halten, zum Schweigen zu bringen, kurzum den Deckel draufzuhalten. Diese freigewordene Energie können wir dann in unsere Routinen investieren oder wir stellen plötzlich fest, dass wir ja doch unglaublich kreative Menschen sind. Ob und wenn ja wie diese abgespaltenen Aspekte im Buch wieder zusammengeführt werden, müsst ihr jedoch selber lesen.

Falls ihr euch gerne eine Rezension zum Buch anschauen möchtet, kann ich euch den Booktube-Kanal von Steffi wärmstens empfehlen.

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Die vier Haltungen

Einer der Grundlagentexte der Yoga Philosophie sind die Yoga Sutras von Sri Patanjali. Es handelt sich hierbei nicht um einen fortlaufenden Text, sondern um kurze, prägnante Sätze, sog. Sutras.
Die Yoga Sutras bestehen aus insgesamt 195 Sutras, welche in vier Kapitel oder Bücher unterteilt sind und den Yogaweg beschreiben.

Die vier Haltungen werden im 33. Sutra des ersten Buches, kurz I.33, beschrieben und lauten wie folgt:

„Maitri karuna muditopeksanam sukha duhkha punyapunya visayanam bhavanatas citta prasadanam.“

Am besten gefällt mir die Übersetzung von Sri Swami Satchidananda*, welche auf der Leseliste meiner Yogalehrer Ausbildung stand:

„By cultivating attitudes of friendliness toward the happy, compassion for the unhappy, delight in the virtuous and disregard toward the wicked, the mind-stuff retains its undisturbed calmness.“

Meine sehr freie Übersetzung ins Deutsche:
„Indem wir die Haltungen von Freundlichkeit gegenüber den Glücklichen, Mitgefühl für die Unglücklichen, Anerkennung für die Rechtschaffenen und Gleichmut gegenüber den Bösen kultivieren, erhalten wir uns eine unerschütterliche innere Ruhe.“

Sri Patanjali unterteilt die Menschen, denen wir begegnen, in vier Kategorien und rät uns in diesem Sutra mit welcher Haltung wir ihnen begegnen sollen. Dieser Raster hilft uns Gelassenheit zu bewahren, aber auch uns mit anderen mitzufreuen oder ihnen Mitgefühl entgegenzubringen.

Friendliness toward the happy
Klingt easy, ist aber nicht immer so einfach. Stellt euch vor, ihr habt einen schlechten Tag und da gibts diese unglaublich gut gelaunten, fröhlichen, strahlenden Menschen. Ihnen gegenüber eine freundliche Haltung zu bewahren, ja uns mitzufreuen, ist gar nicht immer so einfach.
Sri Patanjali rät uns, uns der Situation bewusst zu werden und zu beobachten, was geschieht. Denn zu wissen „was abgeht“, verhindert oftmals sich vom Strudel der Emotionen mitreissen zu lassen. Wenn ich in diesen Strudel gerate, dann identifiziere ich mich mit meinen Emotionen und fühle mich als wäre ich die Kugel in einem Flipperkasten. Der Beobachtungsposten ermöglicht mir, die Situation zu verstehen und mir selber – die ja oftmals in diesem Moment ziemlich unglücklich ist – Mitgefühl entgegenzubringen.
Mich einfach mit jemandem mitzufreuen hat mir ausserdem schon oft den Tag gerettet und positive Emotionen verschafft. Bewusst den Fokus auf das Positive zu lenken hilft zudem die eigenen Emotionen zu stabilisieren, was wiederum zu innerem Frieden und Ruhe führt. Denn durch Eifersucht und Neid schadet man nicht dem anderen, sondern ausschliesslich sich selbst und bringt sich aus dem Gleichgewicht.

Compassion for the unhappy
Klingt auf den ersten Blick einfach, doch was ist, wenn die eigenen Pläne über den Haufen geworfen werden, weil jemand krank geworden ist? Jep, ziemlich schnell wird aus dem Mitgefühl Genervtheit oder gar Wut. Was nun? Es geht nicht darum, diese Emotionen beiseite zu schieben oder gar zu unterdrücken – im Gegenteil! Sie sind da, also dürfen sie anerkannt und beobachtet werden, um dann liebevoll und bewusst aus Mitgefühl zu handeln.

Delight in the virtuous
Und dann gibt es da diese Menschen, die gefühlt alles richtig machen. Die immer wissen, was zu tun ist und den richtigen Ton treffen. Die sich einbringen und Gutes tun. Hier lautet die Devise: nicht neidisch sein, die guten Qualitäten im anderen anerkennen und sie im eigenen Leben zu integrieren versuchen.

Disregard toward the wicked
Die vierte Kategorie ist die schwiergste und die umstrittenste. Es gibt sie, die bösen Menschen – ich vermeide hier bewusst den Begriff „Monster“, denn egal wie böse jemand ist, es ist und bleibt ein Mensch. Wie begegnet man solchen Menschen? Sri Patanjali empfiehlt, ihnen keine Beachtung zu schenken und sie mit Gleichmut hinzunehmen. Das bedeutet nicht, gutzuheissen was sie tun oder dass einem ebendas egal ist. Es geht ausschliesslich um die eigene innere Haltung. Die Taten anderer gutzuheissen und der Umgang mit unserer inneren Haltung sind zwei grundverschiedene Dinge, die rein gar nichts miteinander zu tun haben.

Fazit
Sri Patanjali liefert uns mit den vier Haltungen ein erstklassiges Tool für den Umgang mit Menschen in unserem Alltag. Ich brauchte etwas Zeit, um in die Position des Beobachters zu kommen, doch je öfter mir das gelingt, desto einfacher fällt es mir. War dies anfänglich nur rückblickend möglich – zum Beispiel während dem Schreiben meiner Morgenseiten – gelang es mit zunehmender Übung und Praxis immer näher am Ereignis bis ich zuletzt in der Situation selbst die Analyse anhand des Rasters durchführen und meine eigene Haltung überprüfen konnte. So tastete ich mich Schritt für Schritt voran – und bisweilen machte ich auch einen oder mehrere zurück, doch auch das ist vollkommen in Ordnung und gehört zum Leben dazu.

Kennst Du die vier Haltungen? Wie schauts aus mit Sri Patanjali und seinen Yoga Sutras? Wie denkst Du über dieses Raster? Ziehst Du eine Anwendung in Deinem Alltag in Betracht?

Lass es mich gerne wissen, ich freue mich auf unseren Austausch!

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Sinn und Zweck

Durch diesen Blog möchte ich Yoga Philosophie verständlich, alltagsnah und modern erklären. Der Einstieg in dieses unglaublich grosse und weitverzweigte Universum gleicht für viele einem Nadelöhr. Dieses zu verbreitern und zu erweitern, um möglichst vielen Interessierten einen Zugang zu verschaffen, ist Sinn und Zweck dieses Blogs.

Dabei geht es mir nicht nur um das theoretische Erklären der verschiedenen Prinzipien der Yoga Philosophie, sondern auch um das Entdecken der zahlreichen Konzepte in meinem Alltag. Ich werde daher im Blog auch über meinen Alltag und meinen Blick auf die Welt spechen, darüber was ich sehe und wie ich es sehe – aber halt immer durch die Linse des Yoga.