Die fünf Niyamas

Nach dem allgemeinen Überblick und den fünf Yamas kommen wir in diesem Artikel zum zweiten Glied des achtgliedrigen Pfads.

Die fünf Yamas waren die „Don’ts“, somit ist es nur logisch, dass es sich bei den fünf Niyamas um die „Dos“ handelt. Auch hier zeigt uns Sri Patanjali fünf Themengebiete auf.

Meiner Erfahrung nach sind die Niyamas wichtig, damit wir auch die Yamas leben können. Alle acht Glieder sind miteinander verwoben und bilden ein grosses Ganzes anstelle einer linearen Abfolge.

Was sind die fünf Niyamas?

Sauca – Reinlichkeit
Santosha – Zufriedenheit
Tapas – Disziplin
Svadhyaya – Selbsterforschung
Ishvara Pranidhana – Hingabe

Sauca
Reinlichkeit beginnt erstmal im Aussen und der Begriff steht für die alltägliche Körperhygiene und -pflege. Zusätzlich erhalten wir in der Hatha Yoga Pradipika* Anleitungen zu weiteren Reinigungstechniken wie Neti (eine Nasenspülung), Nauli (eine kreisförmige Bewegung der Bauchmuskeln) oder Kapalabhati (eine Atemtechnik). Aus dem Ayurveda haben das Schaben der Zunge sowie das Ölziehen grösseren Bekanntheitsgrad erlangt.

Doch mit Äusserlichkeiten ist es im Yoga nie getan, daher steht Sauca auch für die innere Reinlichkeit. Diese lässt sich in zwei Bereiche aufteilen: den körperlichen und den geistigen.
Für ersteren sorgen wir über unsere Ernährung also über das, was wir essen und trinken. Bei zweiterem geht es um unsere Gedanken, was wir uns zu Gemüte führen z.B. mit unserem Medienkonsum aber auch welchen Gedanken wir wie viel Platz einräumen.

Santosha
Mit Zufriedenheit meint Sri Patanjali eine Zufriedenheit, welche durch nichts und niemandem im Aussen beeinflusst oder einem gar genommen werden kann. Es ist ein Zustand inneren Gleichgewichts unabhängig von Vorlieben und Abneigungen oder Ereignissen im Aussen. Einfach zu sein. Und die Dinge anzunehmen wie sie sind.

Tapas
Disziplin ist unser Wille, der uns „auf Spur hält“. Mit dem wir uns sagen, dass das dritte Stück Torte jetzt wirklich nicht sein muss (Sauca) oder dass wir jetzt nicht auf ein Ereignis im Aussen reagieren und unser inneres Gleichgewicht halten (Santosha).

Es ist aber auch das Feuer in uns, das und hilft dranzubleiben. Dieses Feuer, das uns an unser Fernziel erinnert, wenn die Verlockungen im Hier und Jetzt nach der ersten Euphorie wieder grösser und grösser werden.

Tapas hilft uns dabei unsere Routinen beizubehalten, auch wenn alles gut läuft und wir denken, dass wir diese Self Care gerade nicht benötigen und lieber länger schlafen anstatt uns unserer Morgenroutine zu widmen. Denn alles, was wir in den guten Zeiten etablieren wird zum Netz, das uns in den schlechten Zeiten auffängt und Halt gibt.

Svadhyaya
Diesen Begriff habe ich mit Selbsterforschung übersetzt. Denn wieviele Menschen haben im Grunde genommen keine Ahnung, wer sie sind. Sie haben nie Schattenarbeit geleistet und steuern auf Autopilot durchs Leben. Physisch sind sie zwar im Hier und Jetzt doch all ihre Reaktionen beruhen auf Triggern von vergangenen Erlebnissen und Prägungen.

Sich eine Routine, eine sogenannte Sadhana, zu erarbeiten und sich da zum Beispiel über eine Journaling- oder Meditationspraxis mit sich selber auseinanderzusetzen ist unendlich wertvoll, kann aber auch sehr, sehr fordernd sein. „It’s simple but not easy“ pflege ich da jeweils zu sagen.

Ein weiterer Aspekt von Svadhyaya ist es, in den alten Schriften wie dem Yoga Sutra oder in der Bhagavad Gita zu lesen. Die umfassende und zeitlose Weisheit dieser alten Schriften kann uns eine Orientierungshilfe sein und uns Worte für ein Problem oder eine Konstellation schenken. Denn erst wenn man durch das in Worte fassen ein Konzept erarbeitet hat, kann etwas sichtbar und dadurch greifbar werden. Die Sichtbarkeit wiederum ermöglicht uns, am Problem oder an der Situation zu arbeiten und es bzw. sie nach und nach aufzulösen und zu integrieren.

Ishvara Pranidhana
Was ist mit Hingabe gemeint? Hier in diesem Zusammenhang die Hingabe an etwas Grösseres. Wer oder was dieses Grössere ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Laut Sri Patanjali sollen wir all unsere Handlungen diesem Grösseren widmen und dadurch frei von Anhaftungen werden. Diese Freiheit von Anhaftungen („Attachement“) aber auch vom Ausgang von Handlungen (Erfolg oder Misserfolg) schenken uns eine unerschütterliche Ruhe im Geist, was dann wiederum ein Schritt in Richtung Samadhi ist.

Niyamas on and off the mat

Auch bei den Niyamas wird sehr schnell klar, dass sie nicht auf die Yogapraxis im Sinne von Asanapraxis auf der Matte beschränkt sind. Sie sind genauso universell wie die Yamas und je mehr ich mich mit ihnen beschäftigt habe, desto mehr habe ich sie überall in meinem Alltag wiedergefunden. Plötzlich waren sie überall und ein Aha-Moment reihte sich an den anderen.

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