Warum lange Haare?

Als ich mich vor fünf Jahren intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt habe, kam doch erstaunlich viel zusammen. Ihr dürft euch also über einiges an – stellenweise sehr persönlichem – Text freuen. Da nur Text doch etwas gar trocken ist, werde ich den Post mit verschiedenen Bildern untermalen.

Bis auf zwei Mal hatte ich immer lange Haare. 

Den einen grossen Schnitt gabs im Kindergartenalter, den anderen mit ca. 23. Beide habe ich umgehend bereut und wollte nur noch eines: wieder lange Haare! Dass das seine Zeit dauert, dürfte jedem klar sein. Und schon sind wir mittendrin im Thema.

Sich entscheiden, verpflichten – committen eben

Einer der Gründe oder besser etwas, das mich ungemein fasziniert, ist, dass man nicht „einfach so“ lange Haare haben kann. Man muss Zeit und Geduld investieren, über einen langen Zeitraum dran bleiben und Ausdauer berweisen. Das damit verbundene Commitment fasziniert mich total. Ich kann nicht heute sagen, nö, ich hab doch keinen Bock und morgen sind sie wieder lang. Das geht nicht. Es geht in eine ähnliche Richtung wie Tattoos – eine weitere Leidenschaft – man muss sich entscheiden, verpflichten – committen eben.

Zeitlosigkeit als Lebensgefühl

Damit verbunden ist eine gewisse Zeitlosigkeit, welche für mich fast schon ein Lebensgefühl ist. Um sehr lange Haare zu haben, muss man seinen eigenen Weg gehen, ihn konsequent – sprich zum Beispiel soweit wie möglich schnittfrei – verfolgen. Man darf sich nicht den Modeströmungen unterwerfen, die mal diesen, mal jenen Look als hip erklären.

Über Weiblichkeit und Spiritualität

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass für mich persönlich lange Haare einfach ein Zeichen purer Weiblichkeit sind. Ich fühle mich mit überlangen Haaren schön, weiblich, wild und frei.

Dazu kommt noch eine spirituelle Komponente: mit zunehmender Haarlänge fühle ich mich der Natur und den Elementen noch mehr verbunden. Die Zeitdimension, die ich nicht als linear sondern als Spirale empfinde, wird mir mit jedem Zentimeter intensiver bewusst.

Wandelbarkeit von langen Haaren

Des weiteren fasziniert mich die Wandelbarkeit von langen Haaren. Der Kontrast zwischen offen tragen und geduttet ist unglaublich. Ich war mir dessen lange Zeit nicht bewusst, bis im Sommer 2014 auf unserer Irlandreise die folgenden Fotos entstanden sind:

Offen tragen oder lieber inkognito unterwegs sein?

Dazu kommt die Freiheit zu entscheiden, trage ich lieber offen oder geduttet? Möchte ich meine Länge zeigen oder bin ich lieber inkognito aka mit Dutt unterwegs? Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass – von anderen Langhaars abgesehen – niemand die Haarlänge anhand meines Dutts wirklich einschätzen kann. Von anderen verwendete Duttkissen und Co. sei Dank werden meine Haare normalerweise bis maximal Ellbogenlänge geschätzt.

Mir tat sich eine komplett neue Welt auf

Aufgrund meiner Länge trage ich meistens geduttet, denn im (Arbeits-)Alltag ist es einfach praktischer. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich im Herbst 2012 zufällig auf das Langhaarnetzwerk gestossen bin, als ich nach Frisuren für lange Haare gegoogelt habe. Es war mein letzter Versuch und wäre der nicht erfolgreich gewesen, hätte ich meine Haare schweren Herzens ordentlich gekürzt. Ich war es dermassen leid, sie immer nur im Pferdeschwanz zu tragen. Damals hatten sie ca. klassischer Länge und waren kaum mehr zu bändigen im Alltag resp. auf Arbeit. Alle Klammern, Spangen etc., die es im Handel gab, waren viel zu klein.

Pferdeschwanz vs. Zopf

Nochmals zurück zu den Frisuren. Zwischen Dutt und offen tragen gibts natürlich Pferdeschwanz und Zopf. Ersteren trage ich mittlerweile kaum mehr, letzteren beim Sport, zum Schlafen oder ab und zu an Konzerten. Eine meiner liebsten Zopfvariationen – auch wenns nichts geflochtenes ist, was man normalerweise mit einem Zopf verbindet – ist der sogenannte Keulenzopf.

Lange Haare und Musik

Die Musik ist ein weiterer Aspekt, denn als Langhaar fühle ich mich unter Metallern natürlich ausgesprochen wohl. Hier falle ich nicht so extrem auf und habe selbst viel zu schauen. Auf Festivals und Konzerten herrscht einfach eine ganz andere Stimmung  und ich geniesse die Zeit in vollen Zügen. Dazu nutze ich dort gerne die Gelegenheit zum offen tragen, was ich im Alltag praktisch nicht mehr mache.

Last but not least habe ich mit langen Haaren einfach viel weniger Aufwand als mit kurzen. Bis da morgens jedes Haar dort sass, wo es hingehörte *seufz* da musste ich mit Gel und Co. dahinter und war meistens nur mässig erfolgreich. Mit langen Haaren ist das anders: kämmen, Dutt – fertig. Auch das Waschen dauert nicht wesentlich länger. Einzig, dass ich jetzt die mit Condi getränkten Haare auskämme, erfordert ein paar Minuten mehr Zeit. Shampoo und Spülung habe ich vorher schon verwendet.

2 Antworten auf „Warum lange Haare?“

  1. Absolut faszinierend! Auch wenn ich selbst den Wandel auf meinem Kopf liebe und dieser wiederum beständig für mich ist, find ich deine Gedanken super ausgedrückt! Und nicht lachen – ich fühlte mich auch mir super kurzen Haare sehr weiblich, frech und sexy 😉

    1. There’s nothing permanent except change – das sagte Heraklit schon vor Ewigkeiten. Wie recht Du hast und wie wundervoll Du es hier in Zusammenhang gebracht hast.

      Und genau darum gibt es auch absolut nichts zu lachen – im Gegenteil: Weiblichkeit ist unendlich vielfältig! Und für mich bist Du genau das: sehr weiblich, frech und sexy 😘

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